3 Gründe, andere nicht so zu behandeln, wie du selbst behandelt werden willst

von | Dez 30, 2017 | Allgemein | 0 Kommentare

Kennst du folgende Situation?

Du hast du einen Mann/eine Frau kennengelernt, du bist verliebt in die Person, schreibst ihr eine Nachricht und bekommst keine Reaktion. Nicht nach 1 Stunde, nicht nach 3 Stunden und auch nicht am nächsten Morgen. Du bist verunsichert, du denkst, die Person will nichts mehr von dir. Du reißt dich total zusammen, nicht noch mal zu schreiben, schließlich willst du ja nicht aufdringlich sein. Dann fällt dir ein, dass der Person ja auch etwas passiert sein könnte und du fängst an, dir Sorgen zu machen. Nun hast du in deinen Augen einen berechtigten Grund, doch zu schreiben und mal nachzuhaken. Denn schließlich ist sich Sorgen machen ja doch auch etwas Edles, irgendwie. ?

Du wartest aber noch bis zum Abend, so lange hältst du noch aus. Denn ganz ehrlich, eigentlich machst du dir ja nicht wirklich Sorgen. sondern du willst, dass die Person dich nicht einfach so hängen lässt und sich einfach nicht mehr meldet. Das würdest du nie so machen. Unmöglich findest du ein solches Verhalten. Schließlich war es vorher super schön zwischen euch und du hast ja auch das Leuchten in seinen/ihren Augen gesehen.

Endlich ist es Abend und du schreibst der Person: Hey, alles in Ordnung bei dir?

Palim, du bekommst sofort Antwort:

„Ja klar, alles super. Hab mich total über deine Nachricht gefreut und wollte dir gerade antworten. Ich fand unser letztes Treffen super schön. Hast du heute Abend schon was vor? Ich würde dich sehr gerne wiedersehen.“

„Oh nee, die ganze Aufregung umsonst“, denkst du dir. Völlig erschöpft von dem ganzen Stress kannst du nun endlich wieder zur Ruhe kommen und freust dich auf den Abend.

Am nächsten Tag schreibst du ihm, wie schön der Abend war – und bekommst wieder keine Reaktion. Nicht nach 1 Stunde, nicht nach 3 Stunden, nicht am nächsten Morgen.

Doch diesmal hast du etwas mehr Vertrauen und auch keine Lust auf diese Selbstkasteiung, solange auf den Abend zu warten und schreibst direkt. „Hey, alles in Ordnung bei dir?“

Und diesmal macht es nicht Palim.

Und dann schreibst du wieder. Und endlich bekommst du Antwort, doch diesmal eine ziemlich genervte. Nach einer Weile erfährst du, dass die andere Person es eigentlich viel lieber hat, wenn es am Anfang des Kennenlernens langsamer geht, wenn die Abstände größer sind, wenn auch sie mal Gelegenheit hat, sich als erste zu melden. Und dass sie sich sehr schnell eingeengt fühlt, wenn sie diesen Freiraum nicht hat und den anderen dann als aufdringlich empfindet.

Und schon ist der Wurm drin. Der Zauber des Anfangs ist vorbei, der erste Konflikt vorprogrammiert.

 

Kommt dir das bekannt vor? Von der einen oder anderen Seite?

 

Gehörst du zu denen, die sich gerne schnell melden und nach dem ersten Kennenlernen gerne in Kontakt bleiben?

Oder gehörst du zu denen, die das Kennenlernen erst einmal für sich alleine genießen und alles Revue passieren lassen wollen?

Oder gehörst du zu denen, die einfach alles auf sich zukommen lassen? Wenn gleich morgen wieder Kontakt ist, ist das genauso o.k. für dich, wie wenn erst nach einer Woche wieder Kontakt ist?

Außerdem machst du dir gar keine Gedanken darüber, wer sich jetzt zuerst meldet? Hä, denkst du, da kann man sich n Kopf drum machen? Komisch …

 

Was ist denn nun das „Goldene“ an der Regel „Behandle den anderen so, wie du selbst behandelt werden willst“? Das kann ja gar nicht funktionieren.

Gleicht es nicht eher einem Glückspiel, wenn wir uns so den anderen gegenüber verhalten? Mit Sicherheit wird es ja auch mal so sein, dass ich auf jemanden treffe, der so tickt wie ich, oder?

Aber wie oft geschieht das wirklich? Und ist dieses beschriebene Szenario hier nicht eher das, was viel häufiger passiert?

Doch woran genau liegt das denn?

 

An genau diesen 3 Punkten:

  1. Die Menschen sind alle verschieden

Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst, setzt voraus, dass wir alle gleich sind, dass wir alle die gleichen Bedürfnisse haben und emotional alle gleich veranlagt sind.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Jeder denkt, fühlt und sieht die Welt anders, als du und ich.

Und daran ändert auch der unbewusste Wunsch nichts, dass andere doch zumindest ein bisschen die Welt so sehen wie ich.

Jeder nimmt die Welt durch seine ganz eigene Brille seiner Erfahrungen wahr. Und selbst wenn die Person exakt dieselben Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben sollte, lässt es sich auch mit diesem Menschen nicht zu 100% nach der „Goldenen Regel“ leben.

Denn …

 

  1. Unsere Gedanken, Emotionen und unser Verhalten laufen zu 80% unbewusst ab

Was uns allen gleich ist, ist, dass wir alle zu nur maximal 20% bewusste Entscheidungen treffen und bewusste Gedanken denken. Der Rest läuft unbewusst ab, davon kriegen wir rein gar nichts mit.

Wer nämlich das Steuer in der Hand hat, ist unser Limbisches System. Hier sitzt unser Unterbewusstsein, hier entstehen Gedanken und Emotionen und dies wiederum löst unser Verhalten aus. Wenn du deine Hand gleich zu einem Glas Wasser bewegst, denkst du zwar, dass du das bewusst entschieden hast, es ist aber nicht so. Die Entscheidung, das zu tun, ist schon längst ohne dein bewusstes Zutun erfolgt. Du bist im Grunde nur ausführendes Organ. So kommt es auch, dass wir uns oft so ausgeliefert fühlen, wenn die Emotionen uns voll im Griff haben und wir uns unbedingt bei ihm melden wollen, weil er es ja nicht tut.

Heißt, du suchst auf der bewussten Ebene nach den Ursachen deiner Befindlichkeit und machst das Verhalten deines Gegenübers oftmals dafür verantwortlich, das es dir so geht, wie es dir geht. Vielleicht hast du aber auch schon genug an dir gearbeitet, dass du weißt, selbst dafür verantwortlich zu sein. Das ist schon mal ganz prima, doch den eigentlichen Schlüssel hast du damit noch nicht in der Hand.

Denn …

 

  1. So unterschiedlich wir Menschen aussehen, so unterschiedlich sind auch unsere Gehirne strukturiert

Und das wissen die wenigsten. Oder weißt du, welche Emotions-Anlage in dir die vorherrschende ist? Denn hier liegt der Schlüssel für dein Verhalten verborgen und hier erklärt sich auch das Verhalten des anderen.

Lass uns einen kleinen Test machen. Lies dir alle diese Begriffe durch:

Kreativität, Spontanität, Risikofreude, Mut, Autonomie, Freiheit, Ruhm, Abwechslung, Individualismus, Sieg, Kampf, Macht, Rebellion, Impulsivität, Extravaganz, Status, Durchsetzung, Ehre, Stolz, Leistung, Effizienz, Ordnung, Gehorsamkeit, Moral, Pflicht, Sparsamkeit, Sauberkeit, Gesundheit, Treue, Verlässlichkeit, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Sicherheit, Freundschaft, Familie, Heimat, Nostalgie, Vertrauen, Herzlichkeit, Toleranz, Flexibilität, Offenheit, Leichtigkeit, Poesie, Sinnlichkeit, Träumen, Natur, Neugier, Humor, Kunst, Spaß, Genuss, Träumen, Fantasie, Geselligkeit

Und nun markiere dir 10 Werte, die dir am wichtigsten sind.

Jetzt lässt du denselben Test eine Person machen, mit der du schon mal in irgendeiner Weise in Konflikt lagst. Gebe dieser Person exakt die gleiche Aufgabe.

Und dann vergleicht eure Ergebnisse.

Wenn es sich konfliktfrei nach der „Goldenen Regel“ mit dem anderen leben ließe, müsstet ihr nun eine sehr große Übereinstimmung feststellen.

Und? Ist das auch so? Wahrscheinlich nicht, oder?

Doch was ist jetzt zu tun? Ist es also hoffnungslos? Können wir gar nicht konfliktfrei miteinander umgehen?

Die gute Nachricht ist: Doch, können wir!

 

Berücksichtige diese beiden Punkte und deine Konfliktrate wird drastisch sinken!

 

  1. Werde dir deiner eigenen Emotions-Anlage bewusst

Wenn du nun den Test gemacht hast, wirst du dich anhand der Anzahl der Begriffe, die du gewählt hast, einem bestimmten Bereich mehr zuordnen als den anderen. Ich nennen die Bereiche Werte-Welt. Diese Emotions-Anlage überwiegt dann bei dir.

Werte nun deinen Test aus:

Werte-Welt 1 Dominanz: Wenn du dich eher hier einordnest, wirst du das Abenteuer und den Thrill lieben, gerne auf der Jagd sein und gerne mit anderen raufen, es also lieber ein bisschen rauer mögen als kuschelig.

Kreativität, Spontanität, Risikofreude, Mut, Autonomie, Freiheit, Ruhm, Abwechslung, Individualismus, Sieg, Kampf, Macht, Rebellion, Impulsivität, Extravaganz

Werte-Welt 2 Balance: Wenn du dich eher hier einordnest, magst du Disziplin und Kontrolle (wenn vlt. auch eher unbewusst) und möchtest dich gerne binden.

Status, Durchsetzung, Ehre, Stolz, Leistung, Effizienz, Ordnung, Gehorsamkeit, Moral, Pflicht, Sparsamkeit, Sauberkeit, Gesundheit, Treue, Verlässlichkeit, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Sicherheit

Werte-Welt 3 Stimulanz: Wenn du dich eher hier einordnest, liebst du die Fantasie und den Genuss, das Spiel und bist gerne fürsorglich mit der Neigung zur Bindung.

Freundschaft, Familie, Heimat, Nostalgie, Vertrauen, Herzlichkeit, Toleranz, Flexibilität, Offenheit, Leichtigkeit, Poesie, Sinnlichkeit, Träumen, Natur, Neugier, Humor, Kunst, Spaß, Genuss, Träumen, Fantasie, Geselligkeit

 

Entschlüssele nun, wie du selbst tickst, was dir wichtig ist für dich selbst und womit du gut klarkommst und was nicht so deins ist. Hole dir das alles so gut es geht ins Bewusstsein und lerne dich selbst dadurch besser kennen. Wenn es dir dann noch gelingt, dich mit deinen Seiten völlig selbst anzunehmen, kannst du damit auch gleich noch deine Selbstliebe stärken.

 

  1. Werde dir der Emotions-Anlage des anderen bewusst

Nun ist es vielleicht nicht so attraktiv und deshalb rate ich auch nicht dazu, diesen Test zum ersten Date mitzunehmen, um dein gegenüber einschätzen zu lernen. ?

Doch wenn du die Person schon länger kennst, ihr vielleicht schon eine Weile zusammen seid, kann das ein amüsantes Spiel werden. Ihr könntet dann auch gegenseitig vermuten, wer welche Werte bevorzugt und so schauen, wie gut ihr euch schon kennt. So oder so, werdet ihr euch gegenseitig besser kennenlernen und den ein oder anderen Konflikt im Nachhinein vielleicht auch besser nachvollziehen können.

Solltest du nun zu einem ersten Date gehen, dann höre dem anderen aufmerksam zu. Welche Worte benutzt er? Was erzählt er dir? Gleichen seine Erzählungen eher einer Achterbahnfahrt? Ist in seinen Geschichten Abenteuer und Thrill? Und bist du vielleicht eher der Balance-Typ?

Dann gehe davon aus, dass er es nicht so lieben wird, wenn du gleich am nächsten Tag schreibst. Und wenn du es doch tun musst, weil deine Emotions-Anlage es von dir verlangt, dann nimm es nicht persönlich, wenn er nicht reagiert. Er wird auch einfach nur von seinem Limbischen System gesteuert. Seine Entscheidung, grummelig zu sein und nicht zu antworten, trifft er nicht wirklich bewusst. Und schon gar nicht, weil er etwas gegen dich hat, sondern nur, weil das nicht in sein Wertesystem passt, denn seine Limbische Landschaft wird eine andere sein als deine.

 

Fazit: Wenn du wirkliches Interesse daran hast, mit dem anderen in konfliktfreiem Kontakt zu sein, dann werde dir deiner eigenen emotionalen Landschaft im Gehirn bewusst. Höre dem anderen aufmerksam zu, damit du mitbekommst, wie er gestrickt ist. Und daraus entwickle zwei neue „Platin-Regeln“ für dich:

  1. Ich behandle mich selbst, wie ich behandelt werden will.
  2. Ich behandle den anderen, wie er behandelt werden will.

Das wiederum bedeutet: Wenn der andere nicht auf deine Nachricht reagiert, dann frage dich: Wessen Angelegenheit ist es, dass er nicht reagiert? Seine, richtig? Und wessen Angelegenheit ist es, wie ich damit umgehe? Meine, richtig? Und dann erlebe, dass du durch diese Frage dich dem Ganzen nicht mehr ausgeliefert fühlst und dich in der Folge selbst so behandeln kannst, wie es dir gerade gut tut. Erlaube dir, die Stärke zu spüren, die daraus in dir wächst.

 

Wenn du jetzt zu denen gehörst, die aus dem Kontakt gehen müssen, weil der andere sich zu viel meldet, dann gehe genauso vor. Frage dich: Wessen Angelegenheit ist es, dass die Person mir wieder schreibt? Ihre, richtig? Und wessen Angelegenheit ist es, wie ich damit umgehe? Meine, richtig? Und dann erlebe auch hier, wie angenehm das ist, nicht grummelig und abweisend werden zu müssen, um das, was du für dich brauchst, auch erhalten zu können und zwar von dir selbst.

 

Nun kann es natürlich sein, dass der andere noch nicht weiß, was du jetzt alles hier gelernt hast und nicht nach diesen „Platin-Regeln“ handelt.

Wenn dem so ist und dir das Schwierigkeiten bereitet oder wenn du Unterstützung brauchst, um die „Platin-Regeln“ erfolgreich für dich umzusetzen, dann melde dich bei mir.

Ich begleite dich sehr gerne auf dem Weg in ein konfliktfreies Leben.

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