Schlaflosigkeit bei Liebeskummer: Warum das so ist & wie du das änderst

von | Sep 25, 2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Schlaflosigkeit bei Liebeskummer – was Frauen dazu sagen

“Alles, außer D. So nervig, das schlaucht echt. Und das, obwohl ich schon meditiere“, schrieb Melanie mir, nachdem ich im Juli 2021 eine Umfrage durchführte. Ich fragte meine Leserinnen darin, ob sie von Schlaflosigkeit bei Liebeskummer betroffen seien.

Rund 120 Frauen nahmen an der Umfrage teil und gaben an, dass sie Schlaflosigkeit bei Liebeskummer kennen.  Nur neun Frauen antworteten, dass sie bei Liebeskummer trotzdem schlafen können.

Insgesamt antworteten die Teilnehmerinnen so:

A: Ich kann gar nicht schlafen. – 22

B: Ich schlafe schlecht ein. – 52

C: Ich kann nicht durchschlafen. – 51

D: Ich kann trotzdem schlafen. – 9

E: Ich schlafe unruhig. – 13

Zudem gaben sechs Frauen an, intensiv zu träumen und deshalb Angst vor dem Einschlafen zu haben. 14 Frauen schrieben mir, dass sie nicht nur schlecht schlafen, sondern auch wenig Appetit haben.

 

Eine erste wissenschaftliche Studie

Erst 2017 wurde wissenschaftlich erforscht, wie sich Liebeskummer auf die Schlafqualität auswirkt. Merle Claßen und Nathalie Brock führten dazu eine Studie an der Universität Konstanz durchProf. Dr. Angelika Schlarb leitete diese Studie. Sie ist Leiterin der Schlafambulanz und des Schlaflabors an der Universität Bielefeld. Insgesamt analysierten sie Daten von 630 Jugendlichen und jungen Erwachsenen; davon 150 Männer und 480 Frauen im Alter zwischen 16 – 21 Jahren. Claßen und Brock erstellten einen Online Fragebogen, mit dem sich die Proband*innen selbst einschätzten. Die Frage war, wie sich Verliebtsein und Liebeskummer auf ihre Schlafqualität und Träume auswirkt. Jugendliche, die akut unter Liebeskummer litten, gaben an, schlechter zu schlafen und vermehrt negativ zu träumen. Alpträume in der Nacht machten ihnen zu schaffen und beeinflussten sie auch am nächsten Tag. Jugendliche, die verliebt waren, gaben ebenso an, dass sie schlechter schlafen und vermehrt negativ träumen. (vgl.: Infatuation and Lovesickness on Sleep Quality and Dreams in Adolescence)

Wie meine Umfrage erkennen lässt, ist Schlaflosigkeit bei Liebeskummer keine Frage des Alters. Die befragten Frauen sind im Alter zwischen 30 und 65 Jahren. Liebeskummer wird in der Gesellschaft oft als Teenager Problem belächelt. Das ist es keineswegs. Wer Liebeskummer hat fühlt sich getrennt von einem geliebten Menschen. Der Schmerz, der dadurch entsteht, löst seelische und körperliche Leiden aus. Das kann jeden bis ins hohe Erwachsenenalter erschüttern und an der Teilhabe seines alltäglichen Lebens hindern.

Menschen mit Liebeskummer schlafen oft nicht nur schlecht. Neben mangelndem Appetit fühlen sich viele hoffnungslos und depressiv oder aggressiv. Sie verlieren ihre Lebensfreude und isolieren sich. Immer wieder höre ich von Frauen, dass sie nicht aufhören können, den online Status der Person zu kontrollieren, von der sie sich getrennt fühlen. Sie bezeichnen sich selbst als Stalkerin und schämen sich dafür. Viele Frauen berichten mir, dass sie sich einem massiven Gedankenstrom ausgeliefert fühlen, dem sie nicht zu entkommen wissen.

Neben seelischen Leiden kommt es auch zu körperlichen Symptomen, wie:

  • Muskelschmerzen
  • Magenprobleme
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Herzstiche

Bis hin zum sogenannten Broken Heart Syndrom, dessen Symptome die eines Herzinfarktes sind.

Dabei verursacht allein schlechter Schlaf viele dieser Symptome. Denn in der nächtlichen Regenerationsphase erneuern sich die Zellen, der Stoffwechsel reguliert sich und das Immunsystem stellt sich neu auf. Unser Gehirn verarbeitet die Informationen des Tages auf Hochtouren. Fehlt diese Phase über einen längeren Zeitraum, gerät unser Körpersystem aus dem Gleichgewicht und wir werden krank. Das gilt grundsätzlich für Schlafstörungen; nicht nur bei Liebeskummer.

Doch warum raubt Liebeskummer uns den Schlaf? Und wie können wir wieder in den Schlaf finden? Schließlich brauchen wir genügend Schlaf, um gesund zu bleiben.

 

Vier Gründe, warum es zu Schlaflosigkeit bei Liebeskummer kommt und wie du sie überwindest

1. Liebeskummer führt wie Verliebtsein zu extremen Stress im Körper

„Liebe verleiht Flügel” – aber nur, wenn wir verliebt sind. Dann brauchen wir viel weniger schlaf, essen viel weniger und fühlen uns trotzdem topp fit. Das liegt daran, dass Verliebtsein positiven Stress in uns auslöst, sogenannten Eustress (eu = griechisch „gut, wohl, richtig“).

Das Gehirn schüttet Dopamin aus, auch als Glückshormon bekannt. Dieser Botenstoff macht, dass wir uns wohl fühlen und gut drauf sind. Es fühlt sich so an, als bräuchten wir den Schlaf nicht. Die meisten freuen sich über die purzelnden Pfunde. Erwidert zudem der andere unsere Gefühle, fühlen wir uns begehrt, wohl und attraktiv. Wenn wir verliebt sind, bewerten wir das, was wir erleben, als positiv.

Haben wir hingegen Liebeskummer, ist negativer Stress in unserem Körper, den man auch Disstress nennt (dis = griechisch „schlecht“). Die Dopaminzufuhr ist blockiert, deshalb fühlen wir uns schlecht oder sogar krank.

Wir liegen nachts wach und fühlen uns den ewigen Gedankenschleifen ausgeliefert. Verständlicherweise bewerten wir das, was wir da erleben, als negativ.

Ob negativ oder positiv – Stress aktiviert unseren Körper und das findet im Gehirn statt. Ob das für uns schädlich oder förderlich ist, hängt davon ab, wie lange es andauert und wie wir das bewerten, was wir erleben.

Wenn du nachvollziehst, was in deinem Gehirn passiert, verstehst du, warum du bei Liebeskummer schlecht schläfst. Das hilft dir, liebevoller mit dir zu sein. Statt Liebeskummer negativ zu bewerten, entwickelst du mitfühlendes Verständnis für dich. Das allein wirkt schon schlaffördernd.

 

Liebeskummer ist keine Herzensangelegenheit

„Nicht das Herz ist das Organ der Liebe, das Gehirn ist das Organ der Liebe.“ Manfred Spitzer

Zumindest aus körperlicher Sicht sind Verliebtsein und Liebeskummer keine Frage des Herzens. Zwar spürst du einen Stich im Herzen, wenn du den Mann, den du liebst, beispielsweise mit einer anderen Frau siehst. Doch die Symptome beginnen im Gehirn. Und zwar in einem Bereich deines Gehirns, auf den du willentlich keinen Einfluss hast. In diesem Bereich ist alles abgespeichert, an was du dich erinnerst und was du bislang in deinem Leben und vor allem als Kind erfuhrst. Daraus bilden sich Programme und Überlebensstrategien, die anspringen, wenn du ähnliches erneut erfährst. (vgl. Spitzer, Hörbuch Kapitel 2)

2. Liebeskummer aktiviert alte Bindungswunden

Liebeskummer läuft grob gesagt in vier Phasen ab:

1. Der Moment der Trennung

2. Nicht wahrhaben wollen und dagegen angehen

3. Selbstreflexion

4. Neuorientierung

In der ersten Phase findet die Trennung statt. Erfährst du, dass der Mensch, den du liebst, nicht oder nicht mehr mit dir zusammen sein will, kann das überwältigend sein. Vor allem, wenn du das nicht willst oder es dich unvorbereitet trifft. In dieser Phase schlafen viele Menschen nicht gut.

Auch in der zweiten Phase ist der Schlaf meistens noch beeinträchtig. Viele Gedanken sind da und Emotionen kommen hoch.

Spätestens ab der dritten Phase beruhigt sich unser System. Durch die Selbstreflexion wenden wir uns uns selbst zu und gewinnen Erkenntnisse. Wir erleben, dass uns das Ende der Beziehung nicht nur etwas nimmt.

Schließlich orientieren wir uns in der vierten Phase neu, verabreden ein Date, gehen aus, oder ähnliches.

 

Wir Menschen sind auf Bindung angewiesen

Wenn die ersten beiden Phasen bei dir über Wochen, Monate oder gar Jahre andauern, sind deine Programme und Überlebensstrategien in dir aktiv. Das, was du an Bindung bislang erfuhrst, wird durch die aktuelle Situation in deinem Gehirn getriggert. Dadurch reagierst du emotional stark und lang auf das, was du mit dem anderen erlebst.

Das Bedürfnis, uns mit einem Menschen zu verbinden, ist uns angeboren. Wir brauchen einen anderen Menschen, der sich uns emotional zuwendet, um gesund heranzuwachsen. Deshalb speichert unser Gehirn alles ab, was wir seit der Geburt emotional erfahren. Auf dieser Grundlage nehmen wir später uns selbst und den Kontakt zu anderen Menschen wahr.

 

Bindungserfahrungen führen zu Überlebensstrategien

  „Die Tatsache, dass die Liebe tief im Stammhirn aktiviert wird, wo die Kreisläufe für andere Überlebensreflexe sitzen, lässt uns denken, dass sie Teil unseres Überlebenssystems ist.” Helen Fisher

Idealerweise erfahren wir in den ersten Monaten und Jahren unseres Lebens ein Wechselspiel aus positiven und negativen Erlebnissen. Erfahren wir unsere Bezugspersonen und unserer Umwelt positiv, hilft uns das, die Welt als einen freundlichen Ort wahrzunehmen. Zudem vertrauen wir darauf, Kontakt mit anderen Menschen positiv zu erleben.

Negative Erlebnisse brauchen wir, damit wir lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen, ohne, dass sie uns aus der Bahn werfen.

Wurdest du als Kind in deinem Bedürfnis nach Nähe sowie im Erkunden der Welt liebevoll unterstützt, fühlst du dich sicher gebunden. Und so fühlst du dich auch als Erwachsene im Kontakt mit anderen sicher und geborgen. Du kannst gut mit dir allein sein und suchst die Nähe zu anderen Menschen, wenn dir danach ist. Trennt sich ein geliebter Mensch von dir, tut dir das weh. Doch du kannst du mit den ersten beiden Phasen des Liebeskummers gut umgehen. Dein Körpersystem ist widerstandsfähig und verfügt über genügend Ressourcen. Trotz Trennungsschmerz findest du in den Schlaf. Vielleicht ist er nicht so lang oder nicht so erholsam, doch das legt sich rasch wieder. (vgl. Bentzen, S. 36-37)

 

Unsichere Bindung führt zu Dauerstress

Anders ist es, wenn du nicht darin gefördert wurdest, dich sicher zu binden. Erlebtest du deine frühen Bezugspersonen als unsicher oder unberechenbar, entwickelte sich daraus ein unsicheres Bindungsmuster. Auf dieser Grundlage beziehst du dich im Erwachsenenalter auf andere.

Kinder mit unsicherem oder desorientiertem Bindungsmuster sind von klein auf daran gewöhnt, dass die Welt ein unsicherer Ort ist. Für sie ist es normal, sich unsicher, ängstlich und misstrauisch zu fühlen. So nehmen sie auch als Erwachsene die Welt und ihr Umfeld wahr. Insbesondere auch ihre Liebespartner, da sie ihren Bezugspersonen sehr ähnlich sind.

Das heißt nicht, dass sie deshalb widerstandsfähiger sind als sicher gebundene Menschen. Vielmehr steht ihr System unter Dauerstress und das macht sie weniger widerstandsfähig. Sie haben nicht nur weniger Ressourcen, um eine Trennung zu verkraften. Ihr Gehirn erinnert sich zudem daran, dass ihre Bedürfnisse als Kind nicht befriedigt wurden. Das setzt das gesamte Körpersystem unter extremen Stress. Die Bewältigungsprogramme und Überlebensstrategien sind in ihnen aktiv, die sie sich als Kind aneignen mussten, um mit dem klarzukommen, was ihnen fehlte.

Unsicher gebundene Mensch geraten so in den Überlebensmodus und stecken deshalb in den ersten beiden Phasen des Liebeskummers fest.

Deshalb kommt es vor, dass manche Menschen auch Jahre nach der Trennung noch immer Liebeskummer haben. Sie fühlen sich emotional abhängig vom Ex-Partner und können mitunter dauerhaft schlecht schlafen. Oder sie erleben das mit verschiedenen Partnern. Die Partner wechseln, doch Liebeskummer, schlecht schlafen und das Gefühl, emotional abhängig zu sein, bleiben bestehen.

3. Liebeskummer überaktiviert das Gehirn

Wenn wir als Kind erfahren, dass unsere Bedürfnisse nach Bindung nicht ausreichend erfüllt und befriedigt werden, gerät unser Körpersystem in Stress.

Bleiben unsere Bedürfnisse dauerhaft unerfüllt, wird der Stress in uns chronisch. Dann sind wir nicht mehr kindlich unbefangen und gehen dem Leben nicht mehr offen und vertrauensvoll entgegen.

Später im Erwachsenenalter suchen wir uns unbewusst Partner, die unser Bedürfnis nach Bindung auch nicht erfüllen. Wir erfahren mit diesen Partnern das, was uns emotional vertraut ist. Wir kennen es nicht anders, wir lernten das so. Und so halten wir den emotionalen Stress in uns aufrecht.

Weder als Kind noch als Erwachsene können wir willentlich und direkt auf diesen chronischen Stress in unserem Körper einwirken. Als Kind sind wir dem ausgeliefert. Im Erwachsenenalter können wir einen Umgang damit finden. Wenn du verstehst, was bei Stress in deinem Körper abläuft, ist es leichter damit umzugehen.

 

Rhythmus ist unser Leben

Normalerweise ist unser Gehirn in der Lage, Stress zu verarbeiten. Es reguliert unser gesamtes Körpersystem, in dem es sich im Wechsel an- und entspannt.

Quelle: Eder & Sperlich, S. 40

Wenn du morgens aufstehst und in deinen Tag startest, bist du aktiv. Abends zum Einschlafen entspannst du. Beeilst du dich, bist du aktiv. Kommst du zur Ruhe, entspannst du dich. 

Diesen Rhythmus findest du nicht nur in deinem Alltag. Dieser Rhythmus ist das Leben. Aktivität und Entspannen, Ausdehnen und Zusammenziehen, Anspannen und Loslassen ist, was wir immerzu erleben. Im Wechsel vom Tag zur Nacht, bei den Jahreszeiten, beim Atmen, beim Herzschlag. Dieser Rhythmus reicht bis tief in unsere Zellen. Er bildet die Grundlage von allem, was lebt. (vgl. Heller, S. 151)  

Aktiv sein und Entspannen – das sind überlebenswichtige Körperfunktionen. In unserem Gehirn ist das vegetative Nervensystem dafür zuständig. Es ist Teil des zentralen Nervensystems und arbeitet autonom, also ohne, dass wir willentlich Einfluss darauf haben. Deshalb nennt man das vegetative Nervensystem auch “autonomes Nervensystem”.

Für die Funktionen sind zwei Nerven zuständig:

  • der Sympathikus, der die Aktivierung regelt,
  • der Parasympathikus, der für die Entspannung sorgt.

Idealerweise funktionieren Sympathikus und Parasympathikus in einem ausbalancierten wechselseitigen Rhythmus. Der Sympathikus schaltet sich ein, wenn wir aktiv sein wollen. Wollen wir entspannen, brauchen wir den  Parasympathikus. Beide regeln nicht nur die funktionellen Abläufe der Organe und Zellen in unserem Körper. Von ihrer Funktion hängt auch unsere Stimmungslage ab und unser körperliches und emotionales Wohlbefinden. Ob du dich müde oder hellwach fühlst, fröhlich oder traurig, dich selbstbestimmt oder als Opfer siehst, bestimmen Sympathikus und Parasympathikus. (vgl. Eder & Sperlich, S. 16-17)

    Quelle: Heller, S. 152

    Arbeiten sie gegeneinander fühlst du dich unwohl, überdreht, erschöpft, krank. Arbeiten sie harmonisch miteinander, „dann ist Aktivität mit Lust und Freude verbunden und Entspannung mit einem tiefen Loslassen und einem Gefühl des Aufgehobenseins.“ Laurence Heller

    Schlaflosigkeit bei Liebeskummer – wach sein im Überlebensmodus

    Wenn du Liebeskummer hast und nicht schlafen kannst, ist der Sympathikus überaktiv, während der Parasympathikus zu wenig aktiv ist. Der Rhythmus ist gestört. Du bist überaktiviert und stehst unter Stress.

    Kennst du das bei Liebeskummer?

    Obwohl du hundemüde bist, weil du schlecht schläfst, bist du sehr wachsam, schreckhaft und in Habachtstellung? Wir führen das auf den mangelnden Schlaf zurück; auch unsere Reizbarkeit, eben weil wir übermüdet sind. Doch es liegt am Sympathikus, der überaktiv ist.

    Ursula Eder und Franz J. Sperlich vergleichen in ihrem Buch “Das Parasympathikus Prinzip” die Funktion von Sympathikus und Parasympathikus mit dem Autofahren. Der Sympathikus ist das Gaspedal, der Parasympathikus die Bremse. (vgl. Eder & Sperlich, S. 17)

    Wenn der Rhythmus gestört ist, stehst du mit einem Fuß auf dem Gaspedal (Sympathikus) und mit dem anderen findest du die Bremse (Parasympathikus) nicht. Der Sympathikus blockiert den Parasympathikus, so dass dieser vorerst nicht mehr aktiv werden kann. Beim Autofahren ist es lebensgefährlich, den Fuß nicht mehr vom Gaspedal zu nehmen. So ist es auch für das Gehirn. Hält der Zustand länger an, weist es den Parasympathikus an, die Notbremse zu ziehen. Dieser wird plötzlich aktiv und fährt so dein System schlagartig runter. Jedoch entspannt dich das nicht, es erschöpft dich vielmehr.

     

    Der Körper schützt uns vor uns selbst

    Würde das plötzliche Runterfahren nicht passieren, bliebe das für unsere Gesundheit nicht ohne Folgen. Das Fatale ist, wir können auch jetzt nicht entspannen, denn der Sympathikus ist noch immer aktiv. Du trittst auf die Bremse, während der andere Fuß wie Blei auf dem Gaspedal steht. Heißt, beide Nerven sind gleichzeitig aktiv. Und so sind wir hundemüde und können trotzdem nicht schlafen. Denn die innere Unruhe ist unter der Erschöpfung noch immer vorhanden.

    Hält dieser Zustand über Wochen oder Monate an, landen wir im Burnout. Bildlich gesprochen sitzt du im Auto, trittst Gas und Bremse gleichzeitig bis zum Anschlag durch. Nach einer Weile heult der Motor auf und du rollst auf den Seitenstreifen. Qualm steigt unter der Motorhaube auf. Der Motor? Totalschaden.

     

    Liebeskummer kann zum Burnout führen

    Ist Liebeskummer nicht nur ein vorübergehendes Ereignis, kann das zum Burnout führen. Vor allem, wenn du dauerhaft zu wenig schläfst. Kommt noch Stress im Beruf und deinem Umfeld dazu, beschleunigt das den Krankheitsverlauf.

    Wenn du zu den Frauen gehörst, die sich emotional abhängig von einem Mann fühlen, begleitet dich emotionaler Stress ständig. Denn bereits als Kind lerntest du, dass Bindung nicht sicher ist und deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Trennt sich ein geliebter Menschen von dir oder weist dich zurück, gerät dein autonomes Nervensystem aus dem Gleichgewicht. Sympathikus und Parasympathikus arbeiten gegeneinander, statt miteinander. Du fühlst dich gestresst, angespannt, die Gedanken kreisen, Appetit und Verdauung verschlechtern sich. Neigst du zu Suchtverhalten, rauchst du jetzt mehr und trinkst mehr Kaffee oder Alkohol. Damit versuchst du dich zu regulieren. Doch da es dem Körper schadet, gerät dieser noch mehr aus dem Gleichgewicht.

    Dieses Ungleichgewicht kann genauso in die andere Richtung schlagen, wie auf der folgenden Abbildung zu sehen ist. Dann ist der Parasympathikus überaktiviert und blockiert den Sympathikus. Du stehst also auf der Bremse und gibst Gas. Der Motor heult auf und das Auto bewegt sich nicht von der Stelle. Das sind die Momente, in denen du dir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen möchtest. Du hast keine Motivation, keinen Lebenssinn und fühlst dich depressiv. Vielleicht schläfst du 14 Stunden am Stück, fühlst dich gerädert und überhaupt nicht erholt.

     

    Quelle: Heller, S. 155

    Doch warum bringt uns das, was wir als Kind erfuhren, derart aus der Balance, dass wir nicht schlafen können? Weil wir als Kind körperlich und emotional abhängig sind von unseren Bezugspersonen. Ohne sie könnten wir nicht überleben. Wenden sich unsere Bezugspersonen uns nicht so zu, wie wir das als Kind brauchen, erleben wir das als bedrohlich. Deshalb schaltet unser Gehirn in den Überlebensmodus, wenn wir als Erwachsene ähnliche Situationen erleben. Dem können wir mit unserem rationalen Verstand nur schwer beikommen. 

     

    4. Schlaflosigkeit bei Liebeskummer lässt sich nicht mit Verstand und Willenskraft überwinden

    “Trennung und Abschied sind Ordnungen des Lebens und wollen schon früh gelernt sein.” Gerald Hüther

    Stellen wir uns diese Situation vor:

    Dein Partner trennte sich von dir und ist mit einer anderen Frau zusammen. Du gehst auf eine Party, wissend, die beiden sind auch da. Du nimmst dir fest vor, die Situation zu meistern. Dann kommt der Moment, wo du die beiden siehst:

    • dein Herz rast,
    • der Puls schlägt,
    • du bist hellwach und angespannt.
    • dein Blick ist fokussiert,
    • der Atem flach und schnell,
    • die Hände schwitzig.

    In einem solchen Moment ist es dir nicht möglich, auf das, was in deinem Körper passiert, willentlich Einfluss zu nehmen. Es geschieht und du erlebst es.

    Warum ist das so, dass dir das nicht möglich ist?

    Die Antwort ist ganz einfach:

    Es ist nicht die Aufgabe unseres Verstandes. Und wir sind mit Verstand und Willenskraft auch nicht in der Lage, in einer solchen Situation einzugreifen. Das autonome Nervensystem ist dafür zuständig, ohne, dass wir eingreifen können. Deshalb heißt es auch „autonom“.

    Vereinfacht betrachtet besteht unser Gehirn aus drei Teilen:

    • dem Frontalhirn – hier sitzt der Verstand
    • dem Mittelhirn mit limbischen System – hier entstehen Emotionen und Programme
    • dem Stammhirn – es aktiviert die autonome Körperfunktionen

     Quelle: Heller, S. 157

    Mit dem Frontalhirn denken wir logisch und verstehen komplizierte Vorgänge. Mit seiner Hilfe sind wir fähig, zu reflektieren, Visionen zu entwickeln und bewusst wahrzunehmen.

    Das Frontalhirn ist beispielsweise aktiv, wenn du nachts wach im Bett liegst und das Erlebte immer wieder durchspielst. Wenn du dir Gedanken machst, wie du dich anders hättest verhalten sollen oder dir Vorwürfe machst.

    Im Mittelhirn ist das limbische System. Hier entstehen unsere Emotionen und es ist der Speicherort für das, was du als Kind und später erlebst. Sämtliche Überlebensstrategien sind hier abgespeichert. Die, die du als Kind entwickeltest, um mit dem klarzukommen, was du mit deinen Bezugspersonen erlebtest. Und auch die, die du später entwickeln musstest, weil du vielleicht etwas Schlimmes erlebt hast, wie beispielsweise einen Autounfall, eine Unwetterkatastrophe, einen Überfall, oder Ähnliches. 

    Im limbischen System sitzt die Amygdala, auch Mandelkern genannt, weil sie die Form einer Mandel hat. Sie ist unser Frühwarnsystem und entscheidet blitzschnell, ob wir in Gefahr sind oder nicht. Es ist dir nicht möglich, da willentlich einzugreifen.

    Der dritte Bereich ist das Stammhirn. Es ist mit dem autonomen Nervensystem verbunden und zuständig für unsere autonomen Körperfunktionen. Also die Funktionen, die wir nicht bewusst und willentlich steuern können. Das übernehmen Sympathikus und Parasympathikus. Auf der Ebene des Stammhirns handeln wir wie Reptilien. Deshalb nennt man das Stammhirn auch Reptiliengehirn. Neben den Rhythmen von Aktivität und Entspannung sitzen hier auch unsere Impulse und Triebe. (vgl. Bentzen, S. 15-17)

    Das Gehirn ist nicht nur zum Denken da

    Die meisten Menschen glauben, sie nutzen ihr Gehirn in erster Linie, um zu denken und rational zu entscheiden. Doch das Denken spielt nur eine untergeordnete Rolle. Unser Gehirn ist vielmehr ununterbrochen damit beschäftigt, Sinneseindrücke zu verarbeiten, und zwar so, dass sie unserem Leben und unserem Überleben dienen. Das ist seine Hauptaufgabe!

    Erlebst du eine Situation wie in dem Beispiel auf der Party, entscheidet dein Frühwarnsystem in Bruchteilen von Sekunden, ob körperliche oder emotionale Gefahr in Verzug ist oder nicht. (vgl. Bentzen, S. 9)

    Das entscheidet das System nicht nur wegen dem, was gegenwärtig passiert. Es spielt also nicht nur eine Rolle, dass du ihn mit der anderen Frau siehst. Vielmehr gleicht sie das auch mit dem ab, was du früher als Kind erlebtest. Erinnert die Situation an negative Erlebnisse mit deinen Bezugspersonen, ist für das Frühwarnsystem Gefahr in Verzug. Dabei muss die Situation nicht 1:1 dem entsprechen, was du als Kind erfuhrst. Erlebtest du Bindung als unsicher, weist sie blitzschnell das Stammhirn an, den Notfall- und Überlebensmodus einzuschalten. Die autonomen Körperreaktionen werden aktiv und dazu gehört, dass

    • sich deine Pupillen erweitern, so nimmst du mehr wahr.
    • dein Herzschlag beschleunigt,
    • und der Blutdruck steigt.

    So sind die Muskeln optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Bronchien weiten sich, damit genug Atem für die Flucht oder den Kampf bereitsteht. Die Verdauung steht still, denn die ist in dem Moment nicht überlebenswichtig. (vgl. Eder & Sperlich, S. 20)

    Wärest du in einer lebensbedrohlichen Situation, könntest du nun schnell handeln, um dich zu retten. Du würdest aus der Notfallsituation weglaufen, den Feind angreifen oder erstarren. Das entscheidest du weder rational, noch willentlich. Es geschieht einfach.  

    Nun ist die Situation auf der Party nicht lebensbedrohlich. Doch wenn sie an frühere Erlebnisse erinnert, die unsicher und bedrohlich waren, schätzt das Gehirn die Situation als lebensbedrohlich ein und ergreift vorsorglich Maßnahmen.

    Die gegenwärtige Situation triggert also das, was du als Kind oder in deinem späteren Leben erfuhrst.

    Oft sagen wir nach Erlebnissen wie diesen: „Ich war wie im Film.“ Das weist auf den extremen Stress im Körper hin, der uns in den Überlebensmodus zwingt. Dieses Gefühl im Film zu sein, entsteht, weil im Notfallmodus das bewusste Denken abschaltet und die autonomen Funktionen führend sind.

    Ist die Situation und damit die Gefahr für das Gehirn vorüber, wird der Parasympathikus aktiv:

    • der Puls verlangsamt sich
    • der Blutdruck sinkt
    • die Atmung normalisiert sich
    • die Muskeln entspannen
    • das Gehirn schaltet wieder in den aktiven Denkmodus
    • die Verdauungsorgane werden wieder aktiv
    • die Bronchien ziehen sich wieder zusammen

    Der Parasympathikus sorgt somit dafür, dass die Organe regenerieren und sich das Körpersystem reguliert.

    Schläfst du in der Nacht schlecht, ist die Selbstregulation im Gehirn beeinträchtig ist. Dadurch bleibt dein System übererregt. Der Parasympathikus ist zu wenig aktiv, trotz dass die Situation vorbei und somit die Gefahr für das Gehirn vorüber ist. (vgl. Heller, S. 152-153)

    Die Gedankenspirale stoppen

    Das ist jetzt die gefährlichste Zeit, in der die Gedankenspirale unaufhörlich einsetzt. Tagsüber geht es vielleicht noch, weil du dich ablenken kannst. Doch in der Nacht kreisen deine Gedanken immerzu um das, was du erlebtest. Du fühlst dich deinen Gedanken ausgeliefert und wälzt dich unruhig hin und her.

    Der Sympathikus bleibt somit vorherrschend, da du dir die stressige Situation immer wieder vor Augen führst. Machst du dir zudem Vorwürfe, sorgst dich um die Zukunft oder erinnerst dich an vergangene unangenehme Situationen, bleibt der Stresspegel hoch.

    Der Parasympathikus bleibt zu schwach, dein Körper entspannt deshalb nicht und du schläfst nicht ein. Was ihn stärken würde, wäre die Gedankenspirale zu stoppen.

    Deshalb sind Schäfchen zählen oder visualisierte Meditationen zum Einschlafen wirkungsvoll. Du veränderst damit deine Gedanken und die Bilder vor deinem inneren Auge. So feuerst du den vorhandenen Stress nicht weiter an.

    Schwierig ist bei diese Methoden, dass du deinen Verstand und deine Willenskraft brauchst, um sie umzusetzen.

    Du musst aufmerksam sein und darfst gedanklich nicht abdriften. Nur so aktivierst du den Parasympathikus und dein System entspannt und du schläfst ein.

    Doch wer kennt das nicht?

    Du fängst an, die Schäfchen zu zählen oder der meditativen Geschichte zu folgen. Nach einer Weile stellst du fest, mit den Gedanken wieder bei dem zu sein, was dich belastet.

    Das passiert, weil wir mit dem Denken das Denken verändern wollen und somit Verstand und Willenskraft einsetzen müssen.

    Wenn jedoch unser vegetatives Nervensystem aus dem Gleichgewicht ist, führen die autonomen Funktionen Regie. Mit Denken und Wille beeinflussen wir die direkt nicht. Heißt, wir müssen einen indirekten Weg finden, damit Sympathikus und Parasympathikus sich wieder gegenseitig unterstützen, statt gegeneinander zu arbeiten. 

     

    Körperübungen sind am wirkungsvollsten

    Die Gedankenspirale lässt sich viel leichter und auch schneller stoppen, wenn wir unseren Körper bewegen, statt mit Verstand und Willenskraft zu arbeiten.

    Indem du deinen Körper auf eine bestimmte Weise bewegst, leitest du Impulse an das autonome Nervensystem weiter, die den Parasympathikus aktivieren. Deshalb wirkt eine Stunde Yogapraxis viel beruhigender auf Geist und Körper als wenn du dir beispielsweise eine Stunde Affirmationen anhörst.

    Affirmationen sind positive Sätze, die wir uns wiederholt anhören oder laut aussprechen. Sie sind wirkungsvoll, wenn wir dabei fühlen und körperlich empfinden. Doch um das zu beherrschen, müssen wir lange üben. Solange du damit nicht vertraut bist, eignen sie sich nicht, akute Schlaflosigkeit bei Liebeskummer zu überwinden.

    Wenn du deinen Körper gezielt bewegst, ist es so nicht schlimm ist, wenn du mit deinen Gedanken abdriftest. Der entspannende Effekt tritt durch die Impulse an das autonome Nervensystem trotzdem ein. Vielleicht kennst du den Trick mit dem Bleistift. Du nimmst einen Bleistift für mindestens 60 Sekunden quer in den Mund, so dass die Mundwinkel wie beim Lachen hochgezogen sind. Dabei drückt ein Gesichtsmuskel auf einen Nerv, der auch beim normalen Lachen Signale an das Gehirn sendet. Das Gehirn schüttet daraufhin Glückshormone aus. Das passiert, ob du nun gedanklich bei der Sache bist oder nicht. Wenn du dabei positive Gedanken denkst, verstärkt das den Effekt noch zusätzlich. Doch ausgelöst wird er zunächst dadurch, dass du deine Gesichtsmuskeln auf eine bestimmte Weise bewegst. Und so können wir auch den Parasympathikus aktivieren, wenn du gezielt deinen Körper bewegst. Wird er aktiv, entspannen sich Körper und Geist. Statt der Gedankenspirale setzt du so eine Entspannungsspirale in Gang. 

     

    Verstand und Willen treten ein, wenn es ungefährlich ist

    Natürlich kannst du auch mit deinem Verstand und deiner Willenskraft auf Liebeskummer einwirken. Doch in Momenten wie ich sie hier am Beispiel mit der Party beschreibe, ist das nur der Fall, wenn das Gehirn keine Gefahr erkennt.

    Nehmen wir an, deine Bedürfnisse waren als Kind ausreichend befriedigt und du fühlst dich sicher gebunden: Dann wird es dir auch einen Stich versetzen, wenn du deinen Ex-Partner mit einer neuen Freundin siehst. Und du wirst auch Liebeskummer haben. Der Ablauf in deinem Körpersystem ist der gleiche, wie bei einem unsicher gebundenen Menschen. Auch als sicher gebundener Mensch hast du keinen Einfluss auf das, was im Moment des Schrecks in dir passiert und wie du deinen Körper empfindest. Kein Mensch hat willentlich Einfluss darauf, da es ja im autonomen Bereich des Gehirns stattfindet. Und auch die Amygdala gleicht Gegenwärtiges mit dem ab, was du als Kind und in deinem späteren Leben erfuhrst. 

    Doch als sicher gebundener Mensch fühlst du dich sicher und geborgen und so sind auch deine abgespeicherten Programme. Dein Frühwarnsystem kommt zu dem Schluss, dass keine Gefahr in Verzug ist. Es wird dir vielleicht unangenehm sein, die beiden miteinander zu sehen. Doch du fällst nicht in den Überlebensmodus und bist so den autonomen Vorgängen ausgeliefert. Vielmehr gibt die Amygdala an das Frontalhirn ab, statt an das Stammhirn.

    Dadurch bist du in der Lage, mit deinem Verstand und deiner Willenskraft abzuwägen, was in dieser Situation das Beste für dich ist. Statt im Affekt zu handeln, entscheidest du rational. Wahrscheinlich wirst du dich entscheiden, die Party zu verlassen. Oder zumindest den Raum, wenn du merkst, dass es dir nicht guttut, die beiden zu sehen. Noch wahrscheinlicher ist, dass du dich als sicher gebundener Mensch nicht in die Situation bringst und gar nicht erst zur Party gehst.

    Wenn ich mich an die Zeit erinnere, in der ich mich auf Affären mit Männern einließ, klingt mir die Stimme meiner liebsten Freundin im Ohr: “Warum gehst du denn auch dahin, wenn du weißt, die beiden da zu sehen?”, wenn ich ihr erzählte, wie schlecht es mir damit ging, die Affäre eines vergebenen Mannes zu sein. Obwohl ich wusste, es tut mir nicht gut und ich werde die ganze Nacht nicht schlafen können, war es mir scheinbar nicht anders möglich als hinzugehen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich unsicher gebunden und mich zu dem hingezogen fühlte, was mir vertraut war. Heute fällt es mir leicht, mich aus Situationen fernzuhalten, wenn ich schon vorher weiß, dass sie mir nicht guttun. 

     

    Emotionale Erfahrungen wirken wie ein Magnet

    Das, was wir als Kind emotional erfuhren, wirkt in unserem späteren Leben wie ein Magnet.

    Als sicher gebundene Frau fällt es dir nicht schwer, nicht zur Party zu gehen. Du richtest dich auf das aus, was dich sicher und geborgen fühlen lässt. Stellst du fest, dass es dir nicht guttut, die beiden miteinander zu sehen, zieht es dich da nicht hin. Du bist nicht vertraut mit dem Stress, den du da erleben würdest.

    Anders ist es, wenn du unsicher gebunden bist. Dann bist du damit vertraut, dass Bindung für dich stressig ist. Das lerntest du als Kind. Und so zieht es dich geradezu magisch in Situationen, in denen du das kindliche Drama wiederholen kannst. Dadurch forderst du dein ohnehin schon gestresstes Nervensystem immer wieder heraus. Ohne dass du das willst, überaktivierst du es so.

    Für eine Frau, die zu sehr liebt, geht es nicht darum, das Treffen mit intaktem Herzen zu überstehen. Es geht darum, gar nicht erst hinzugehen.“ Robin Norwood

    Es ist ein Trugschluss, wenn wir glauben, es sind die äußeren Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben. Worauf wir keinen Einfluss haben, ist das, was im Gehirn passiert, wenn wir in bestimmten Situationen sind.

    Ob du in die Situation gehst oder nicht, entscheidest du. Und wenn du deinem Ex-Partner plötzlich begegnest, ohne dass du das wolltest, kannst du nichts dafür, was in dem Moment in deinem Körper geschieht.

    Doch du kannst Vorsorge und Nachsorge betreiben. Das tust du mit deinem Verstand und deiner Willenskraft, indem du dich entscheidest, dir Gutes zu tun.

     

    Wie du Schlaflosigkeit überwindest

    Schlaflosigkeit bei Liebeskummer löst du mit Hilfe deines Körpers

    „Der Körper ist dazu angelegt, sich durch kontinuierliche Selbst-Korrektur ständig zu erneuern.“ Peter Levine

    Selbst wenn es als Kind für dich emotional schwierig war, kannst du korrigieren, was du erlebtest. Unser Gehirn ist ein Leben lang in der Lage, sich durch Lernen zu verändern. Das bezeichnet die Neurowissenschaft als Neuroplastizität. Das Gehirn passt sich im Erwachsenenalter ebenso an das an, was du erlebst, wie es als Kind der Fall ist. Zwar geschieht es langsamer. Doch es ist möglich, die alten Programme und Überlebensstrategien zu verändern, indem du lernst, was dir emotional und körperlich guttut. Als erwachsene Frau entscheidest du: wiederholst du, was du bereits als Kind lerntest oder lernst du etwas Neues? Als Kind war dir das nicht möglich.

    So kannst du dich entscheiden, etwas gegen Schlaflosigkeit bei Liebeskummer zu tun und Ausschau halten, was dich dabei unterstützt. Der Markt bietet viele Methoden, Tipps und Programme, die schlaffördernd wirken.

    Jedoch helfen viele davon nur bedingt, weil sie – wie ich weiter oben bereits erwähnte – deinen Verstand, also das Frontalhirn ansprechen. Leichter und wirkungsvoller ist es, den Körper zu bewegen. Unser Körper ist fähig, sich selbst zu regulieren. Wenn wir Körperbereiche bewegen und dabei 

    • rhythmisch an- und entspannen,
    • zwischen Aktivität und Ruhe wechseln, 
    • uns ausdehnen und zusammenziehen,

    helfen wir dem Körper und dem Gehirn, die hohe Ladung an Stressenergie abzubauen, die dich nicht schlafen lässt.

    So spannen Sympathikus und Parasympathikus im harmonischen Wechsel wieder an und ab.

    Doch nicht nur das. Wenn du übst,

    • deinen Körperempfindungen nachzuspüren,
    • Ressourcen findest
    • und Halt erfährst,

    stärkt du auch dein Selbstgefühl.

    So findest du nicht nur leichter in den Schlaf. Wenn du erfährst, dass du deinen Körper anregst, sich selbst zu regulieren, kommt auch dein Fühlen und Denken ins Gleichgewicht. Du fühlst dich deinen Gedanken und dem, was du empfindest, nicht mehr hilflos ausgeliefert. Somit ermöglichst du dir, Gedanken, Emotionen und Körper neu zu erfahren. Dadurch regst du dein Gehirn an, sich neu zu verdrahten und die alten Programme zu überschreiben.  

    Du kommst dir selbst näher, wenn du dir erlaubst, deine Gefühle zu erforschen, die du wegen Liebeskummer hast. Wenn du achtsam wahrnimmst, was du fühlst, denkst und empfindest, aktivierst du die Kraft der Selbstheilung in deinem Körper. 

    In meinem Audio Paket “Gedanken loslassen & Liebeskummer überwinden” leite ich dich dazu an.

    Das Paket besteht aus den zwei Audio Kursen “Gedanken loslassen” und “Schlafen trotz Liebeskummer”. Zudem sind sechs Bonus Kurse enthalten.

    Ich “Schlafen trotz Liebeskummer” helfe ich dir durch Wechsel aus Bewegen, Beobachten und bewusstes Atmen, emotionalen Stress aus deinem Körper zu lösen. Du bewegst dich auf eine bestimmte Weise und spannst für den Stressabbau wichtige Körperbereiche an- und ab. Das aktiviert den Parasympathikus. 

    Zugleich übst du dich darin, achtsam wahrzunehmen, was du in deinem Körper empfindest. Dadurch ziehst du Energie von deinem Verstand ab und die Gedankenspirale stoppt. Du entspannst, kommst zur Ruhe und schläfst ein.

    Doch nicht nur für die Nacht sind die Übungen geeignet. Du findest durch sie auch in deinem Alltag einen Weg, mit emotionalem und körperlichem Stress umzugehen. Wenn sich unser autonomes Nervensystem beruhigt, empfinden wir Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele. Du fühlst dich mit dir selbst wohl und bei dir angekommen. 

    Dazu brauchst du dich nicht anstrengen oder lange an dir arbeiten. Du führst einfach die Übungen aus. Durch einen Schreck gerät dein Körpersystem in den Notfallmodus. Indem du dich auf eine bestimmte Weise bewegst, hilfst du dem Körper, aus diesem Modus wieder herauszufinden. Dazu genügen mitunter schon ein paar Minuten.

    Deshalb ist “Schlafen trotz Liebeskummer” so angelegt, dass du einzelne Abschnitte von etwa 15 Minuten mühelos in deinen Alltag integrieren kannst. Zur Nacht machst du so viele Abschnitte, wie du benötigst, um einschlafen zu können. Insgesamt umfasst “Schlafen trotz Liebeskummer” 60 Minuten.

    Durch die Übungen lernst du, wie du die Stressregulation im Körper aktivierst und Schlaflosigkeit bei Liebeskummer überwindest. Das stärkt dein Selbstvertrauen und so bist du in der Lage, dir Gutes zu tun. Du bekommst Freude daran, dir selbst zu helfen und möchtest mehr und mehr bei dir ankommen. Die Abläufe in deinem Körper zu verstehen, ist dabei ein erster wichtiger Schritt. Mit dem Lesen dieses Artikels gehst du ihn bereits. 

    Wenn du dich weiter mit diesem liebevollen Verständnis deinem Körper zuwendest, wirst du nicht nur die Schlaflosigkeit bei Liebeskummer überwinden. Auch der Liebeskummer selbst wird weniger werden. Und so wird für dich, wie für Melanie und die anderen Teilnehmerinnen an meiner Umfrage, die Krise Liebeskummer eine wunderbare Chance, deine Selbstliebe zu stärken.

    Herzlich 

    Deine Jivana

    Verwendete Literatur:

    Bentzen, Marianne: Das neuroaffektive Bilderbuch, Kopenhagen 2016

    Eder, Ursula: Das Parasympahtikus Prinzip, München 2019

    Fisher, Helen: Anatomy of Love, New York 2017

    Heller, Laurence: Befreiung von Scham und Schuld, München 2021

    Hüther, Gerald: Biologie der Angst, Göttingen 2009

    Levine, Peter: Sprache ohne Worte, München 2010

    Norwood, Robin: Wenn Frauen zu sehr lieben, Hamburg 1987

    Spitzer, Manfred: Das Gehirn und die Geheimnisse der Liebe, München 2019

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